Welche Kita ist die richtige für mein Kind?
Welche Fragen muss ich mir stellen, bevor ich eine Kita für mein Kind auswähle?


1. Wie würden Sie die Persönlichkeit Ihres Kindes in Bezug auf soziales Verhalten einschätzen?

Ihr Kind ist ein bisschen schüchtern – am besten ist es Kind in einer kleinen Betreuungseinrichtung oder auch bei einer Tagesmutter aufgehoben. Dort können die Betreuer am besten auf das einzelne Kind eingehen, die Eindrücke sind nicht zu viele auf einmal. Kleine Einrichtungen in München sind zumeist Eltern-Initiativen. Eine Alternative ist auch die sogenannte Großtagespflege, bei der sechs bis zehn Kinder von zwei Betreuungspersonen betreut werden.
Wenn Ihr Kind mit anderen Kindern langsam warm wird, ist eine Eingewöhnungszeit wichtig. Denn nach der richtigen Eingewöhnung spielt die Größe der Einrichtung erst einmal keine Rolle mehr. Schön wäre es, wenn ein Freund oder eine Freundin aus der Nachbarschaft bereits in der Einrichtung ist oder zur gleichen Zeit anfängt – wenn es möglich ist!
In Bezug auf soziales Verhalten ist Ihr Kind erst einmal für alle Kita-Typen geeignet. Aber trotzdem sollten Sie sich die anderen Kinder in der zukünftigen Kita genau anschauen. Kann die Dreijährige auch mit kleineren und größeren Kindern? Dann ist auch eine Kooperationseinrichtung geeignet. Und auch der größte kleine Draufgänger braucht in der Erzieherin eine liebevolle Ansprechpartnerin im Kita-Alltag.

2. Wie groß ist der Bewegungsdrang Ihres Kindes?

Ihr Kind hat einen großen Bewegungsdrang – den soll es auch ausleben können. Achten Sie darauf, dass in der Kita genug Platz dafür ist. Bei agilen Krippenkindern reichen noch kleinere Außengelände aus, aber ab dem Kindergartenalter sollte es dann schon mehr Platz zum Toben sein. Leider haben Elterninitiativen häufig nicht die Möglichkeit für große Außengelände, städtische Einrichtungen sind da oft besser aufgestellt.
Auch wenn Ihr Kind einen durchschnittlich ausgeprägten Bewegungsdrang hat – Platz und Zeit zum Toben, am besten draußen, ist immer wichtig. Fragen Sie deshalb möglichst andere Eltern, deren Kinder in Ihre Wunsch-Kita gehen, wann alle nach draußen gehen und wie der Bewegungsraum genutzt wird.
Ihr Kind braucht nicht viel Bewegung, aber Bewegung ist ein wichtiger Faktor in der Entwicklung und beeinflusst auch die „Hirnbewegung“, also das Denken. Deshalb sollten Sie schauen, dass das Thema Bewegung in der Kita wichtig genommen wird. Denn bewegungsfördernde Angebote, wie Spiele oder Tänze, drinnen und draußen, machen auch einem kleinen „Bewegungsmuffel“ Lust aufs Laufen oder Springen.

3. Gewöhnt sich Ihr Kind leicht an neue Situationen?

Wenn Ihr Kind sich nicht so leicht an neue Situationen gewöhnt, müssen Sie darauf achten, dass es genügend Eingewöhnungszeit bekommt, also schritt- und stundenweise auch noch als Kindergartenkind. Fragen Sie schon beim Vorgespräch, ob die Erzieher sich auf eine individuelle Eingewöhnung einlassen oder sie denken, dass dies zu sehr den Ablauf stört. In einer kleineren Einrichtung kann man sich darauf wahrscheinlich eher einstellen.
Ihr Kind gewöhnt sich ganz gut an neue Situationen, braucht aber etwas Zeit. Dafür sind Eingewöhnungen in einer Kita da, und die sollten Sie auch nutzen. Schön ist es, wenn die Kita kleine „Paten“ ernennt, also ältere Kinder, die sich am Anfang besonders um die Neuankömmlinge kümmern. Auf jeden Fall nutzen: Schnuppertage, die Eltern und Kind schon einmal vorab einen Eindruck von der Atmosphäre und dem Alltag in der Kita vermitteln.
Auch wenn Ihr Kind sich eigentlich locker an neue Situationen gewöhnt – unterschätzen Sie den Schritt in die Kita nicht. Bei Krippenkindern käme man gar nicht auf die Idee, auf eine Eingewöhnung zu verzichten, aber auch wer mit zwei oder drei in die Einrichtung kommt, braucht eine Eingewöhnungszeit - damit Ihr Kind auch in Zukunft unbefangen auf Unbekanntes zugeht.

4. Kommt Ihr Kind mit anderen Erwachsenen gut zurecht?

Schön, dass Ihr Kind gut und unbefangen mit anderen Erwachsenen zurecht kommt. Es kann jedoch passieren, dass es gerne einmal austestet, wie weit es bei den Erziehern gehen kann und über die Stränge schlägt. Also: Schauen Sie sich auch an, mit welcher gesunden Autorität die Erzieher sich den Kindern gegenüber verhalten, und wie Ihr Kind darauf reagiert.
Die Sympathie zum Erzieher / zur Erzieherin ist für alle Kinder ganz wichtig, gerade im Kleinkind- und Vorschulalter. Schließlich wird die Erzieherin / der Erzieher für das Kind der erste Ansprechpartner neben der Familie sein – für Jahre. Deshalb ist es auch wichtig, bei sich selbst zu merken „Wie sympathisch ist mir diese Person?“ Und: Vorsicht, wenn Ihnen die Person unsympathisch ist, das überträgt sich auch aufs Kind.
Ihr Kind hat manchmal Scheu vor Erwachsenen – also müssen Sie genau schauen, wie einfühlsam die zuständigen Erzieher in der Kita sind und wie sympathisch Ihnen und Ihrem Kind. Eine überschaubare Kita eignet sich da natürlich gut. Wichtig ist aber auch die Wechselwilligkeit der Erzieherinnen in der Kita – was nützen sympathische Betreuer, wenn sich Ihr Kind alle sechs Monate an neue Gesichter gewöhnen muss?

5. Wie geräuschempfindlich ist Ihr Kind?

Auch wenn Ihr Kind nicht sehr geräuschempfindlich ist – nicht umsonst hat man den Krach in Kitas mit der Lärmbelastung auf einem Flughafen-Rollfeld verglichen. Große und hohe Räume vervielfachen den normalen Geräuschpegel noch. Am besten ist ein Test-Besuch bei der Kita bei Vollbesetzung - also nicht bei Ferien- oder Brückentagsauslastung. Denken Sie daran, das Ihr Kind viele Stunden in diesen Räumen verbringen wird.
Ihr Kind ist manchmal geräuschempfindlich – trotzdem lohnt es sich, bei einem Besuch die Räumlichkeiten der Kita dahingehend zu prüfen. Denn auch kleine Gruppen in kleinen Räumen können sehr laut sein. Vielleicht ist da eine große Kita besser aufgestellt, die ein offenes Konzept hat und wo die Kinder alle Räume wechseln können. Meist gibt es dann auch einen Ruheraum. Ein Gang durch die Einrichtung an einem ganz normalen Morgen bringt Klarheit.
Ihr Kind ist geräuschempfindlich, dann sollten Sie bei der Kitabegehung ganz besonders auf die Phonanzahl des Kinderkrachs achten. Kleine Kita heißt nicht gleich leise und große Kita nicht gleich laut – auf die Räume kommt es an. Es ist unglaublich, was man heutzutage in Richtung Schalldämpfung tun kann, und manche, gerade modern gebaute Kitas konnten davon profitieren. Besuchen Sie die Kita, wenn nahezu alle Kinder da sind (nicht während der Schulferien, da sind viele jüngere Geschwister mit der Familie auf Reisen).

6. Wieviel soll Ihr Kind in der Kita lernen?

Wenn Sie möchten, dass Ihr Kind soviel wie möglich vor der Schule lernt, sollten Sie das Kursangebot einer Kita prüfen, ob es Ihren Vorstellungen entspricht, bevor Sie sich dafür entscheiden. Private Träger und Elterninitiativen haben häufig ein größeres Angebot.
Ihr Kind soll etwas lernen in der Kita – erfragen Sie, welche Kurse die Einrichtung anbietet. Manchmal zeigt das Kitaprogramm zwar viele Kurse, die sind aber nur für gewisse Altersstufen gemeint. Manchmal ist dies aus Kapazitätsgründen der Fall, manchmal allerdings auch aus pädagogischen Gründen – ein ernsthafter Schwimmkurs ist für Dreijährige beispielsweise noch ungeeignet.
Ihr Kind lernt sehr viel, auch wenn es „einfach nur spielt“. Manche pädagogischen Konzepte stellen das sogenannte „freie Spiel“ in den Mittelpunkt, wie zum Beispiel Montessori-Kitas oder Waldkitas. Manche tun dies aber auch ganz ohne theoretischen Hintergrund. Fest steht, Kinder lernen in erster Linie „spielend“, vor allem im Vorschulalter.

7. Hat Ihr Kind besondere Begabungen, die Sie fördern möchten?

Sie möchten die künstlerische Begabung Ihres Kindes fördern? Waldorfeinrichtungen legen einen Schwerpunkt auf die künstlerische Förderung von Kindern, vielleicht ist ja eine solche Kita bei Ihnen in der Nähe? Auch manche privaten Einrichtungen haben besonders viele Angebote zur künstlerischen Förderung – informieren Sie sich über die passende Kita.
Sie haben das Gefühl, Ihr Kind hat eine Sprachbegabung? Suchen Sie nach einer bilingualen oder einer mehrsprachigen Kita in Ihrer Umgebung. In bilingualen Kitas spricht ihr Kind im Alltag neben der deutschen auch eine andere Sprache mit den Betreuern – in München gibt es deutsch-englische Kitas, aber auch Kitas, in denen andere europäische Sprachen gesprochen werden. Viele Kitas bieten Sprachkurse für Vorschulkinder mit kindgerechtem Unterricht an.
Ihr Kind ist sportlich? Besondere Sportkitas gibt es nicht. Achten Sie bei der Kita-Auswahl auf ausreichende Bewegungsmöglichkeiten für Ihr Kind. Die besondere Sportförderung kann dann ja nach der Kita in den vielen Sportvereinen erfolgend, die es in München gibt. Als Schulkind hat Ihr Kind dann sicher Spaß in Einrichtungen, die Elemente aus der Erlebnispädagogik mit viel Bewegung in freier Natur nutzen.
Wenn Sie noch nicht wissen,welche Talente ihr Kind einmal entwickeln wird, ist eine Kita mit einem vielfältigen Angebot genau das Richtige. Hier kann Ihr Kind Vieles ausprobieren und nach und nach werden sich Vorlieben und Begabungen herauskristallisieren.

8. Wie wichtig ist Ihnen die räumliche Ausstattung der Kita?

Die räumliche Ausstattung der Kita ist Ihnen wichtig? Montessori -, Jenaplan- und Reggiopädagogik sehen die Räume einer Kita als „weiteren Erzieher“. Dadurch legen Kitas, die sich diesen pädagogischen Richtungen verschrieben haben, großen Wert auf eine schöne, kindgerechte und sinnvolle räumliche Ausstattung ihrer Einrichtung. Nehmen Sie Ihr Kind mit zum Termin vor Ort – Sie werden merken, ob es sich wohlfühlt.
Auch wenn die räumliche Ausstattung der Kita nicht an erster Stelle Ihrer Prioritäten steht, machen Sie auf jeden Fall einen Vorort-Termin in jeder Kita inklusive Rundgang – und zwar zusammen mit Ihrem Kind. Die Unsitte, eine Vormerkung ausfüllen zu müssen, ohne die Kita gesehen zu haben, ist nicht sehr zweckmäßig. Fragen Sie also trotzdem nach einem kurzen Rundgang, auch wenn es nicht üblich scheint. Vielleicht ergibt sich so bereits ein „Draht“ zur Kita-Leitung und damit der ersehnte Platz in der Wunsch-Kita.
Auch wenn Sie denken, Ihrem Kind ist die räumliche Ausstattung seiner Kita herzlich egal – nehmen Sie Ihr Kind zum Vorort-Termin mit. Kinder zeigen meist deutlich, ob sie sich wohl fühlen oder nicht und das sollte dann in Ihre Entscheidung für die Kita einfließen.

9. Wieviel Zeit haben Sie?

Wenn Sie wenig Zeit haben – achten Sie auf die Erreichbarkeit der Kita von zu Hause. Bedenken Sie, Sie müssen den Weg unter Umständen viermal am Tag zurücklegen. Und was allein ganz schnell geht, kann mit einem Vierjährigen ewig dauern. Für Sie sind Verlässlichkeit der Betreuung und lange Betreuungszeiten wichtig – eine Tagesmutter wäre deshalb nur bedingt geeignet, da sie auch einmal krank werden kann. Eine Elterninitiative, in der aktive ständige Mitarbeit gefragt ist oder die nur eingeschränkte Öffnungszeiten hat, ist sicher nicht geeignet.
Sie haben nicht „alle Zeit der Welt“, aber doch etwas davon? Fragen Sie bei der Wunschkita genau nach, wie viel zeitlicher Aufwand beispielsweise in der Elterninitiative nötig ist. Das muss nicht immer sehr viel sein, sondern ist sehr verschieden. Auch Waldkindergärten oder Montessori-Einrichtungen erwarten Elternengagement – fragen Sie genau nach, und prüfen Sie, ob das für Sie zeitlich machbar ist. Übrigens: Wenn Sie sich engagieren, bekommen Sie viel mehr von der Kita und damit von der Umgebung Ihres Kindes mit. Noch ein Argument gegen eine weit entfernte Kita: Freundschaften zwischen den Kindern sind schwieriger zu pflegen, wenn die Kindern weit entfernt wohnen – und die dicken Kitafreunde kommen wahrscheinlich nicht in die selbe Grundschule.
Sie haben Zeit und möchten die auch gern für den Nachwuchs einsetzen? Schön, Sie werden gebraucht: Bei Elterninitiativen, bei denen Elternengagement gefragt ist oder als Elternbeiratsvorsitzender / Elternbeiratsvorsitzende. Im Rahmen vorhandener Bereiche können Sie sich aussuchen, in welchen Zuständigkeiten Sie besonders gerne tätig sein möchten – und das geht vom Finanzvorstand bis zum Mittagsessen kochen oder Weihnachtsfeiern organisieren. Elternengagement erweitert ganz sicher Ihren Horizont, Sie bekommen viel mit von dem, was in der Kita Ihres Nachwuchses passiert und haben die Befriedigung, eine Kita mitzugestalten.

10. Wie viel Budget können Sie für die Kinderbetreuung einplanen?

Wenn das Budget bei der Kinderbetreuung keine Rolle spielt, haben Sie die meisten Wahlmöglichkeiten – private Kindergärten sind häufig teurer als beispielsweise städtische oder Elterninitiativen, all die können Sie in die Wahlliste mit aufnehmen. Vielleicht kombiniert sich ja auch eine kurze Betreuung außer Haus am besten mit einer Teilzeit-Kinderfrau oder einem Au-Pair?
Die meisten Kitas in München haben durchschnittliche Kosten – wobei Elterninitaiven manchmal etwas teurer sind als städtische Einrichtungen oder gemeinnützige Träger. Reine Krippen sind – wegen des besseren Betreuungsschlüssels - um Einiges teurer als Kindergärten. Eine Ausnahme sind private Träger – diese sind oft deutlich teurer.
Wenn Sie rechnen müssen, ist eine städtische Kita am besten – diese reduziert den Beitrag auch bis auf null (mit Ausnahme des Essensgeldes), wenn das Einkommen sehr niedrig ist. Aber auch in anderen Kitas, beispielsweise bei kirchlichen Einrichtungen, können Sie die Kita-Beiträge auf Antrag von der Stadt bezuschussen lassen.